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O.c.h.n.e.e.
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Manchmal ist es gut sich sein eigenes Urteil zu bilden und nicht blind (oder taub) den Lobpreisungen diverser Internetforen zu folgen, sondern diese nur als Richtungsgeber zu nutzen. Bei der neuen M.i.a.B. Scheibe habe ich Schwierigkeiten, die ihr attestierte Genialität zu erkennen. Ich habe sogar gelesen, 'Retro' sei "[...] ein Meilenstein der elektronischen Musik, voller Herzblut und Wärme". Klar sorgt eine solche Aussage dafür, dass man mit großen Erwartungen an eine CD herangeht. Und möglicherweise kann man sich dann gar nicht so richtig auf die Songs konzentrieren, da man gebannt ist vor lauter Demut und stiller Andacht. Von den großen Worten verunsichert fing ich bereits bei Titel 2 'Lightforce' an, unruhig auf meinem Stuhl hin- und herzurutschen. Genial? Was ich hörte, klang wie eine Mischung aus Jean-Michel Jarre Demo-Aufnahmen und Jan Hammer B-Seiten... Ich nahm die CD aus dem Player, okay, richtiger Aufdruck auf Vorder- und Rückseite... es MUSS Mind.in.a.Box sein... Ich denke, ich bin einfach ignorant. Ich tue mich schwer mit dem neuerlichen 80er Retro-Revival, das Stilblüten wie die furchtbare neue Goldfrapp-CD hervorbringt (dort finden durchgenudelte Radiogurken wie Van Halens 'Jump' oder, believe it or not, Provinzrocker Huey Lewis and The News Verwendung). Oder es führt eben dazu, dass eine ehemals gute österreichische Synthieband sich an frühe C64 Spiele erinnert und mit den, bereits damals, eintönigen Soundfetzen ein ganzes Album gestaltet. Möglicherweise ist der Retro-Hype, dem auch M.i.a.B. verfallen sind, nur eine ironische Randnotiz, dessen Witz und Mut sich mir nicht erschließt. 'Musik für das 21. Jahrtausend' klingt in meinen Ohren definitiv anders als nach Korg-Sounds und den 'irgendwie supi-sichi-lockeren' 80ern. Für mich ist 'Retro' das mit Abstand flachste Werk, das die beiden sympathischen Österreicher bis dato hervorgebracht haben, denn, ganz offen gesprochen, gehen mir die sog. 'flirrenden', oder doch eher 'klirrenden', C64-Sounds, die während aller Titel den Hintergrund bilden, ganz gehörig auf den Nerv... Aber so kann es gehen, die Einen mögen's, die Anderen nicht... diesmal gehöre ich zu den Letzteren... Und Mind.in.a.Box. haben es doch selbst erkannt 'We cannot go back to the past'! Eben!
Anspieltipps: keine
Eine Rezension von klangstabil > Ruhrgebeat, NRW
vom 27. April 2010 |