Einstein, Hawking, Singh & Co.: Bücher, die man kennen muß
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Einstein, Hawking, Singh & Co.: Bücher, die man kennen muß (Gebundene Ausgabe) Dietrich Schwanitz eröffnete mit seinem Buch "Bildung" nicht nur einen Einblick in den Bildungsbegriff eines sich gnadenlos selbst überschätzenden Professors, sondern einen Trend von "Alles, was man wissen muss"-Büchern, der auch nach seinem Tod noch anhält. Schwanitz verstieg sich u.a. zu der Behauptung, die Naturwissenschaften seien einem Bildungskanon gewiss nicht zuzurechnen. Ernst Peter Fischer konterte darauf mit der berechtigten Ergänzung durch "Die andere Bildung", in der er in ebenso spannender wie allgemein verständlicher Weise naturwissenschaftliche Errungenschaften und Leistungen vorstellte. Eine Polemik gegen die "arroganten Geisteswissenschaftler" konnte er sich indes nicht verkneifen, womit er den Ball wieder zurückgab. Christiane Zschirnt läutete unter Schwanitz' Augen die nächste Runde mit ihrem Werk "Bücher. Alles, was man lesen muss" ein, in dem sie eine eigenwillige Auswahl literarischer Klassiker - mit einer oft ebenso eigenwilligen Deutung versehen - wiedergab. Das vorliegende Buch von Fischer stellt gewissermaßen eine Replik auf dieses Werk dar.

Fischer versammelt hier gut zwei Dutzend Klassiker großer Naturwissenschaftler, die er in ihrer Entstehungsgeschichte beleuchtet, kurz ihren Inhalt zusammenfasst und ein die wissenschaftliche These unterstützendes, populäres Co-Werk anderer Autoren als Verweis anführt. Leute, die gerne etwas ausführlichere Rezensionen lesen, werden an diesem Werk sicher ihre Freude haben. Auf der anderen Seite sind Naturwissenschaftler in der Regel gerade für ihre besonderen, aus der Forschung gewonnenen Erkenntnisse berühmt, was mit der Konzentration auf die einzelnen Werke ein wenig aus dem Blick gerät: In der Zusammenfassung von Einsteins "Weltbild" z.B. erfährt man weniger über seine physikalischen Theorien als über seine Ansichten zu diversen Fragen der Zeit. Das kann ebenfalls interessant sein, wenn man sich z.B. eben mit der Weltsicht berühmter Wissenschaftler auseinander setzen möchte. Nur sollte man hier nicht unbedingt die intensivste Auseinandersetzung mit ihren Theorien erwarten; die ist an anderer Stelle besser gelöst worden.

Kritikpunkt sind die gelegentlichen zweifelhaften Stellen, die Fischer entschlossen überspielen möchte. Beispielsweise verweisen die Beispiele zu Bischofs "Rätsel des Ödipus" gerade auf einen Einfluss der Kultur außerhalb der Genetik, ganz abgesehen davon, dass es ja in der Geschichte durchaus Verwandtenheirat und inzestuöse Beziehungen gab und gibt. Ganz so eindeutig frei von jeglichem kulturellen Einfluss, wie Fischer hier behauptet, scheint die Lage jedenfalls nicht zu sein. (Gegenteilige Befunde können zwar als psychische "Störungen" abgetan werden; dies stellt jedoch eine wertende Kategorie dar und ändert nichts an den berechtigten Zweifeln.) Die wiederholt geäußerte Polemik gegen den sich einer durch die Naturwissenschaft "bewiesenen Tatsache" verweigernden, voreingenommenen Geisteswissenschaftler (ein Fischerscher Archetyp) ist nicht nur insofern ärgerlich, da es auch von geisteswissenschaftlicher Seite gelegentlich berechtigte Kritik an naturwissenschaftlicher Forschung gibt, sondern auch der Umstand, dass sich Fischer bisweilen (wie auch schon in seinem ersten Buch) Schnitzer erlaubt, die die Frage, ob so ein "Bildungs"-Projekt nicht generell, statt von einer Person, schon von Beginn an als Zusammenarbeit von Experten mit unterschiedlichen Schwerpunkten konzipiert werden sollte, berechtigterweise erneut aufwirft.

Dessen ungeachtet ist dieses Werk nicht schlecht, und die hier erwähnten Bücher können als erster Anhaltspunkt für eine weitergehendere, intensivere Beschäftigung mit dem Thema dienen. Ob die so gesammelten, besseren Rezensionen aber eine Anschaffung wert sind, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 13. Juni 2006
Kundenrezensionen:
2. Ein interessanter "Kanon zu naturwissenschaftlichen Themen"
1. Nicht unbedingt notwendig (die aktuell angezeigte Rezension)
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