Wenn man einen weißen Anzug anhat: Ein Tagebuch-Buch


 
Goldt muß nicht lustig sein um zu gefallen
• • • • •   (bewertet mit 3 von 5 Punkten)

Ein Sammlung tagebuchartiger Texte aus den Jahren 2001 und 2002 von Max Goldt. Zu 2001 fällt den meisten wahrscheinlich zuerst der 11. September ein. Allein schon dieses Datum zu erwähnen, läßt die gute Laune vergehen. Von einem guten Max Goldt Text bin ich gewohnt, daß er mich zum Lachen bringt. Wie paßt also beides zusammen, das Nachdenkliche und der Humor? Generell sehr gut, denn Goldt gelingt es immer wieder beides gekonnt zu vermischen. In diesem Buch ist es allerdings ein wenig anders. Zu Lachen gibt es viel weniger als z. B. in seinem herrlichen Best-of „Für Nächte am offenen Fenster" (in dem übrigens auch die besten Texte aus diesem Buch zu finden sind). Das dieses Buch weniger witzig ist als erwartet, liegt gar nicht so sehr am 11. September, denn dieses Thema füllt nur wenige Seiten dieses Buches. Überwiegend berichtet Goldt von seinen Alltagserlebnissen, insbesondere von seinen Lesetour-Erfahrungen. Der Grund dafür, daß dieses Buch etwas enttäuscht, ist die Tagebuchform! Die Texte für den jeweiligen Tag sind recht kurz, oft nur 1-2 Seiten lang, zu wenig für Goldt um richtig in Fahrt zu kommen. Wo er sonst von einem sonderbaren Thema zum nächsten seltsamen Einfall wechselt, das es eine wahre Freude ist, bringt er dieses Mal überwiegend sachlich seinen Gedanken zu Papier. Nachdem man sich erst einmal daran gewöhnt hat, ist das auch kein Manko mehr. Goldt erzählt viel Interessantes über sein Künstlerleben, inklusive der Enttäuschungen über einen ehemaligen Verleger, beklagt sich über einen nervigen Autogrammjäger, berichtet vom Frust mit überplakatierten Städten und schlecht besuchten Lesungen, kurz er gibt einen umfangreichen Einblick in sein persönliches (Künstler-)Leben. Das ist sympathisch und unterhaltsam, aber nicht immer witzig.

Wer noch nichts von Goldt gelesen hat, sollte nicht gerade mit diesem Buch beginnen. „Wenn man einen weißen Anzug anhat" ist eher Goldt für Fans.
Eine Rezension von junior-soprano "Powderfinger" > Hannover
vom 28. Juli 2004
Kundenrezensionen:
18. Möglicherweise das falsche Buch für einen Einstieg zu Max Goldt
17. Skuriles, Lustiges, Nachdenkliches
16. Nervige Klolektüre
15. Goldt muß nicht lustig sein um zu gefallen (die aktuell angezeigte Rezension)
14. Wieder mal Wunderliches aus dem Goldt'schen Universum
13. Brillante Sprachkritik
12. fast wie in alten zeiten
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